Bevor der letzte Lottoladen in MV schließt: BLD nimmt die Parteien beim Wort

 

Die Zahl der Lotto-Annahmestellen ist bundesweit erstmals unter 20.000 gefallen, rund 490 von ihnen sichern in Mecklenburg-Vorpommern Nahversorgung, Pressevertrieb und Jugendschutz. Weil das Geschäft nicht am Lotto allein hängt, drohen die geplanten enormen Tabaksteuererhöhung den Rückgang weiter zu beschleunigen. Der Bundesverband Lotto-Toto-Verkaufsstellen Deutschland (BLD) hat deshalb die Parteien im Land gefragt, wie sie dieses Netz erhalten wollen. Vier haben geantwortet, und keine von ihnen stellt sich gegen die zentrale Forderung des Verbandes.

 

Frankfurt am Main, 15. September 2026. Am Sonntag wählt Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag. Der BLD hatte den Parteien vorab drei Fragen zur Zukunft der Annahmestellen im Land vorgelegt, zur Nahversorgung, zum Verhalten des Landes im Bundesrat bei der Tabaksteuer und zum Vollzug gegen illegale Angebote. Anlass ist eine Entwicklung, die sich gerade zuspitzt. Das Netz der Annahmestellen schrumpft seit Jahren, und die im Bundestag beratene Tabaksteuererhöhung trifft eine tragende Säule dieser Geschäfte. Geantwortet haben CDU, FDP, Freie Wähler und SPD, von den übrigen angeschriebenen Parteien ging bis zum Fristende keine Antwort ein.

 

Ein Netz dünnt aus

 

Bundesweit schließen seit 2022 im Schnitt rund 300 Annahmestellen pro Jahr, meist ohne Nachfolge, 2025 fiel ihre Zahl erstmals unter 20.000. In Mecklenburg-Vorpommern wiegt das besonders schwer. Das Land ist das am dünnsten besiedelte der Republik, rechnerisch kommt eine Annahmestelle auf rund 47 Quadratkilometer, im Bundesschnitt sind es 18. Jede Aufgabe verlängert die Wege spürbar, und mit jeder Schließung verliert ein Ort mehr als eine Verkaufsstelle. Die meisten dieser Geschäfte sind Familienbetriebe, geführt von Menschen, die selbst hinter der Theke stehen. Es verschwindet der Tresen, an dem man morgens die Zeitung holt, die Anlaufstelle für das Paket, ein Stück Alltag im Ortskern, das sich nicht ohne Weiteres ersetzen lässt. Aus den Lottoerlösen werden in Mecklenburg-Vorpommern Sport, Kultur und Soziales gefördert, eingespielt werden sie zum größten Teil an den Ladentheken der Annahmestellen.

 

Das Geschäft hängt nicht am Lotto allein

 

Rund 90 Prozent der Annahmestellen handeln mit Tabakwaren, weil das Lottogeschäft allein die Kosten eines Ladenlokals nicht deckt. Deshalb die treffen die massiven geplanten Steuererhöhungen die Geschäfte besonders hart. „Die enormen Steuererhöhungen verstärken eine Entwicklung, die längst im Gang ist. Sie trifft die Betreiber in einem Moment, in dem viele ohnehin rechnen, ob sich das Aufsperren am Morgen noch lohnt", so Günther Kraus, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des BLD. Der Verband fordert deshalb, vor einem Beschluss eine unabhängige Folgenabschätzung vorzulegen, die die flächendeckende Nahversorgung, die Gemeinwohlabgaben, den Jugendschutz und die Verlagerung in den illegalen Handel einbezieht. Als Grenzland bekäme Mecklenburg-Vorpommern solche Ausweichbewegungen unmittelbar zu spüren, hinter der polnischen Grenze kostet die Schachtel Zigaretten deutlich weniger, und schon heute floriert der unkontrollierte Handel, allein 2025 stellte der Zoll bundesweit 256 Millionen unversteuerte Zigaretten sicher.

 

Das antworten die Parteien

 

Bei der Nahversorgung geht die Richtung der Antworten erkennbar auf die Position des Verbandes zu. Die SPD bezeichnet Annahmestellen als relevant für die Nahversorgung und will prüfen, wie solche Betriebe bei der Weiterentwicklung der Landesinitiative Neue Dorfmitte stärker berücksichtigt werden können. Auch die CDU sieht Annahmestellen als sinnvolle Angebote für die Dörfer und will bei der Ausgestaltung der Landesprogramme prüfen, wie sie angemessen berücksichtigt und unterstützt werden können. Die FDP will Förderung an der tatsächlichen Versorgungsfunktion eines Standorts ausrichten statt an starren Sortimentsvorgaben, die Freien Wähler sehen Annahmestellen als Chance für die Wirtschaftlichkeit kleiner Läden.

 

Die geforderte Folgenabschätzung zur Tabaksteuer lehnt keine der antwortenden Parteien ab. Die CDU hält eine Folgenabschätzung, die neben der Lenkungswirkung auch wirtschaftliche und strukturelle Auswirkungen berücksichtigt, grundsätzlich für sinnvoll. Die FDP sagt zu, das Land solle sich für eine solche evidenzbasierte Prüfung einsetzen, die SPD mahnt Augenmaß an und will prüfen, ob die vom BLD benannten Aspekte in eine Positionierung des Landes im Bundesrat einfließen, die Freien Wähler haben keine Einwände.

 

Beim Vollzug gegen illegale Glücksspiel- und Warenangebote eint alle drei die Position, dass legale, konzessionierte Verkaufsstellen keinen Nachteil daraus haben dürfen, dass sich illegale Anbieter den Regeln entziehen. Die Vorschläge reichen von besserer Zusammenarbeit der Behörden über die Prüfung der personellen Ausstattung bis zur Stärkung des digitalen Vollzugs.

 

„Die Antworten zeigen, dass die Bedeutung der Lotto-Annahmestellen für Nahversorgung, Gemeinwohl und Ortskern in der Landespolitik angekommen ist", sagt Kraus. „Jetzt kommt es darauf an, dass aus Prüfzusagen nach der Wahl Entscheidungen werden. Unser Gesprächsangebot gilt für alle Parteien, auch für die, die nicht geantwortet haben."

 

Zu den Antworten

 

Über den Bundesverband der Lotto-Toto-Verkaufsstellen in Deutschland e.V.

Der Bundesverband der Lotto-Toto-Verkaufsstellen in Deutschland e.V. (BLD) ist eine Interessensvertretung für rund 20.000 Lotto-Toto Verkaufsstellen mit mehr als 100.000 Arbeitnehmern in Deutschland. Er vertritt deren Interessen gegenüber den Lotto-Landesgesellschaften und den Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden von Bund und Ländern. Über die angeschlossenen Landesverbände unterstützt und berät der BLD die Annahmestellen über aktuelle Informationen rund um das Spielgeschäft und die Gesetzeslage.

 

 

Pressekontakt:

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BLD:

Günther Kraus

Tel: +49 171 33 58 899

E-Mail: geschaeftsfuehrer@bld-lottoverband.de

Autor: 16.09.26

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